28/05/2026 0 Kommentare
Ein Ort für alle!
Ein Ort für alle!
# Gemeindeleben

Ein Ort für alle!
Mathilde genießt den Gottesdienst. Die Ruhe, die von dieser Stunde am Sonntagmorgen ausgeht, findet sie schön. John hat sich entschlossen, im Konvent mitzuarbeiten. Er hat gute Erfahrungen in der Gemeinde gemacht und will nun gerne daran mitwirken, dass sie gut in die Zukunft kommt. Sam weiß noch nicht, wie es nach der Schule weitergeht. Der Jugendtreff – das ist der richtige Ort für diesen jungen Menschen, denn da kann man über alles reden. Sascha kommt im Gemeindezentrum vorbei, weil er im „Fairteiler“ immer mal kostenlose Lebensmittel findet. Und wenn es dann immer noch nicht reicht, bittet er den Pastor um eine finanzielle Unterstützung.
Eine dieser Personen ist lesbisch. Eine ist Schwarz. Eine ist funktionelle Analphabetin. Eine ist alt. Eine Person lebt allein. Eine ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Eine hat keinen deutschen Pass. Wer ist wer?
Ist das wichtig? Nein! Denn die Martin-Luther-Gemeinde soll ein Ort für alle Menschen sein. Für Einheimische und Zugereiste, Gläubige und Zweifler:innen, Menschen, die sich männlich verstehen und Menschen, die sich weiblich verstehen und alle, die sich nicht auf ein Geschlecht festlegen. Unsere Türen stehen offen für Menschen, die ohne finanzielle Sorgen durchs Leben kommen – genauso wie für solche mit wenig Geld. Und wir feiern mit allen, gleich, wie sie ihre Sexualität leben. Wir glauben nicht, dass die eine Weise von Gott gewollt und die andere nicht erlaubt ist. In unserem Leitbild heißt es: „Die Martin-Luther-Gemeinde beruft sich auf Jesus Christus. Seine offene Hinwendung zu den Menschen soll auch unser Verhalten bestimmen.“ Deshalb zeigt die Regenbogenfahne an unseren Türen zukünftig, dass bei uns alle willkommen sind und sich niemand verstecken muss mit seinen Gaben und seinen Behinderungen, mit seiner sexuellen Orientierung, mit der Herkunft der Person oder ihrem sozialen oder rechtlichen Status. Nur auf eines achten wir: Hass und Gewalt haben bei uns keinen Platz.
Wer ist wer? Ist das wichtig? Ja! Denn natürlich haben alle diese Dinge großen Einfluss auf unser Leben und unseren Glauben. Viele Menschen haben schlimme Erfahrungen gemacht mit Ausgrenzung, Sexismus, Rassismus und anderen Formen von Gewalt. Auch in der Kirche. Man hat seinen rassistischen, sexistischen und sonstigen Vorurteilen ein christliches Mäntelchen umgehängt. Man hat Menschen spüren lassen, dass sie so, wie sie sind, hier nicht willkommen sind. Wir als Kirche haben Anlass, uns zu schämen. Und um Vergebung zu bitten.
Deshalb ist es wichtig, dass wir heute ein Ort sein können, an dem Menschen offen und frei sagen können: „Ich bin ein schwuler Kirchenvorsteher und mir gilt die bunte Liebe Gottes genauso wie anderen.“ Oder „Ich muss jeden Cent zweimal umdrehen, und das sieht man meiner Kleidung an. Aber hier in der Kirche verstecke ich mich nicht. Hat Jesus sich versteckt? Auch ich habe viele Talente. Ich lasse mich nicht auf Armut reduzieren.“ Oder eine Person arbeitet in der Gemeinde mit, die sich nicht auf ein Geschlecht festlegen lassen will. Sie bietet uns Hilfen an, wie wir sie ansprechen sollen: „Nehmt einfach meinen Vor- und Nachnamen!“ So wird uns bewusster, dass in Gottes großer Welt für mehr buntes Leben Platz ist, als uns traditionelle Normen weismachen wollen.
Wir sind auch bei diesem Thema noch auf dem Weg. Wir wollen diverser werden. Keine Angst: Dabei wird niemandem etwas von der eigenen Identität genommen. Aber unser Haus, in dem Jesus Christus selbst die Tür aufhält, soll eines sein, in dem für alle gilt: „Fürchte dich nicht!“
Pastor Klaus Kramer
Auszug aus unsere Gemeindebrief "mittendrin" 6'26
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